PGA-Pro Matti Schmid im Exklusiv-Interview mit Golf & Business
NÜRNBERG – Matti Schmid hat 2025 früh geliefert, im FedEx-Endspurt Nervenstärke bewiesen und gezeigt, dass erauf der PGA Tour ganz nahe an einem Sieg ist. Im Gespräch mit Golf & Business ordnet er seine Saison ein, erklärtseine Lieblingsstatistik „Strokes Gained“ verständlich, spricht über seine knapp verpasste Ryder-Cup-Teilnahme –und formuliert klare Ziele für die kommende Saison.
Wie würdest du dein Jahr 2025 bisher zusammenfassen?
Matti Schmid: Ich würde sagen, auf jeden Fall ein bisschen entspannter als das Jahr davor. Ich habe meine guten Ergebnisse etwas früher eingefahren als sonst. Deswegen musste ich nicht wirklich zittern. In der Hinsicht ist es positiv, auch wenn ich natürlich nicht mit allem zufrieden bin.
Was meinst du mit „zittern“ – ging es dir um die Tourkarte und die Top 70?
Schmid: Um die Tourkarte. In meinem ersten Jahr auf der PGA Tour gelang es ganz spät, die Tourkarte zu sichern. Letztes Jahr war es schon entspannter, aber da hatte ich auch nur noch fünf Turniere Zeit. Dieses Jahr habe ich meinen zweiten Platz sehr früh eingefahren. Wenn du dann noch eine Top-3-Platzierung hast, bringt das im Verhältnis so viel mehr Punkte, dass du bis zum Saisonende gut aufgestellt bist.
Du stehst so gut in der Rangliste wie noch nie zuvor. War es also deine bislang beste Saison?
Schmid: Wahrscheinlich über das Jahr hinweg schon. Ich würde sagen, dass ich auf jeden Fall die meisten Top-10-Platzierungen hatte. Aber ich habe trotzdem noch relativ viele Cuts verpasst, was mich wurmt.
Woran machst du fest, ob es eine „gute Saison“ ist – Endplatzierung, Sieg, Top 5 oder an den Quoten? Welche Kennzahlen sind dir am wichtigsten?
Schmid: Am wichtigsten ist mir Strokes Gained Total, also quasi der Scoring Average. Da bin ich knapp bei plus 0,3. Ich glaube, man muss so in Richtung plus 0,6 kommen, um in die Top 50 der Welt zu kommen. Das ist die wichtigste Kennzahl für mich.
Kannst du Strokes Gained kurz erläutern?
Schmid: Wichtig ist, wie du dich im Verhältnis zum Feld bewegst. Es gibt vier Kategorien: Strokes Gained Off the Tee, Strokes Gained Approach, Strokes Gained Around the Green und Strokes Gained Putting. Vereinfacht gesagt: Der Durchschnitts-PGA-Profi macht aus acht Fuß 50 Prozent seiner Putts. Wenn du aus acht Fuß lochst, gewinnst du einen halben Schlag; wenn du verschiebst, verlierst du einen halben Schlag. So setzt sich jeder Schlag zusammen, am Ende kommt der Scoring Average heraus. Über ein Jahr hinweg sieht man sehr genau, was die einzelnen Bereiche deines Spiels ausmachen.
Ein Beispiel: Scottie Scheffler ist im Total Driving – also Accuracy und Distance – jeweils ungefähr Top 50, aber Zweiter bei Strokes Gained Off the Tee. Wenn du in Distance und Accuracy in den Top 50 bist, bist du quasi der Beste der Welt; die Relation ist entscheidend. Jemand, der ganz oben in Driving Distance ist und dann 100ster in Accuracy, ist im Verhältnis immer noch sehr gut.
Welcher Erfolg wog für dich 2025 schwerer – der zweite Platz bei der Charles Schwab oder die FedEx-Qualifikation?
Schmid: Der zweite Platz war auf jeden Fall gewichtiger. Ob ich am Ende noch 72. werde und die Playoffs nicht gespielt hätte – das ist natürlich schön, wenn es klappt –, aber mein Ziel ist es immer, ganz vorne zu spielen. Bei der Charles Schwab hatte ich eine riesige Chance zu gewinnen, und das macht mir richtig Spaß.
Nimm uns mit auf Loch 18 bei der Charles Schwab – du hast den Chip gelocht und warst für den Moment geteilter Erster. Was ging da in dir vor?
Schmid: Mein Gedanke war, den Ball so nah wie möglich ans Loch zu spielen, um sicher alleiniger Zweiter zu werden. Ich habe ihn etwas höher gespielt, damit er schnell stehen bleibt und nicht weit ausrollt. Es war eine starke Hanglage; der Ball kam perfekt raus, in guter Höhe, ist schön aufgekommen und dann reingerollt – das war Ekstase rund ums Grün. Ich konnte es kaum glauben. Klar hofft man dann kurz, dass der Führende vielleicht verschiebt und es ins Playoff geht, aber das hat nicht ganz gereicht.
Ortswechsel zur Wyndham Championship: Du lagst auf den Back Nine noch fünf über, spielst dann drei Birdies auf den letzten drei Löchern und qualifizierst dich als 70. und Letzter für den FedEx Cup – wie hast du das gedreht?
Schmid: Ich habe am Sonntag einige Fehler gemacht und dachte eigentlich, dass ich keine Chancen mehr habe. Auf der 15 habe ich gesehen, dass ich nur 72. im FedEx Cup „projected“ bin und gar nicht so viele Punkte brauche. Zwischen Platz 30 und 40 gibt es nicht viele Punkte, aber ein paar Birdies mussten her.
Auf der 16 habe ich einen aggressiven Putt genommen – wenn der nicht fällt, rollt der Ball wahrscheinlich vom Grün runter; an einem Donnerstag würdest du den eher vorlegen und das Bogey akzeptieren, aber das ging da nicht. Der Ball ist schön von links gefallen. Auf der 17 habe ich zwei richtig gute Schläge gemacht für ein kühles Birdie. Auf der 18 – schwerer Abschlag – Fairway getroffen, guter Pitch, und dann ist der lange Putt gefallen, etwa acht Meter. Unter Druck abzuliefern, ist ein geiles Gefühl.
Fühlst du dich in Drucksituationen inzwischen besonders stabil?
Schmid: Man ist extrem angespannt, aber es ist eine andere Anspannung. Ich weiß mittlerweile, dass ich unter Druck ziemlich gut funktionieren kann.
Gab es weitere Schlüsselmomente in dieser Saison – positiv wie negativ?
Schmid: Anfang des Jahres habe ich viele gute Wochenenden gespielt. Bei der Charles Schwab habe ich richtig gut geputtet; mein Spiel war von den Strokes-Gained-Zahlen gut genug, um vorne mitzuspielen, und der Putter hat mich nach vorne gebracht. Ich hatte Phasen, in denen die Eisen richtig gut waren – bei Strokes Gained Approach war ich über mehrere Wochen weit vorne, zeitweise sogar Nummer eins auf der PGA Tour zwischen 150 und 175 Metern. Und es gab Phasen, in denen Putter und Driver richtig gut waren. Das macht mir Mut: Wenn ich das öfter oder konstanter zusammenbringe, geht es weiter nach vorne.
Gibt es Schläge oder Momente, an die du besonders gern zurückdenkst?
Schmid: Ganz klar Olympia in Paris im vergangenen Jahr. Als ich am Donnerstag mit Victor Perez im Flight das Turnier eröffnet habe und die Fans die Nationalhymne gesungen haben – da bekommt man Gänsehaut.
Du warst erstmals in den FedEx-Playoffs, im ersten Turnier wurdest du 38. und hast die nächste Runde der Top 50 erreicht – was nimmst du mit?
Schmid: Ich bin schlecht gestartet, aber ich habe gesehen, dass ich, wenn ich gut spiele – auch bei den absoluten Topspielern, den Top 70 der Saison – sehr gut mithalten kann. Das gibt Selbstvertrauen und spornt mich an.
Ist man bei der ersten Teilnahme nicht eher eingeschüchtert ob dieser Leistungsdichte?
Schmid: Nein, das spornt mich eher an. Als ich zum ersten Mal auf die European Tour gekommen bin, musste ich mich erst zurechtfinden; auf der PGA Tour genauso. Auch bei Majors oder Elevated Events. Nach einer gewissen Zeit klappt es meist auch gar nicht so schlecht.
Dein nächstes Ziel sind dann die Top 50 der Welt?
Schmid: Genau. Top 50 – und dann musst du dir wegen Startberechtigungen keine Gedanken mehr machen. Das wäre der nächste Karriereschritt.
Woran arbeitest du aktuell konkret – Technik, Routine, mentale Skills?
Schmid: Das Mentale ist ein Dauerthema. Ich spiele sehr viele gute Wochen, aber habe immer mal ein, zwei, drei Schläge in der Runde, die mich viel kosten. Da will ich mehr Konstanz reinbringen und die Ausreißer minimieren.
Dein Coach Craig Miller sagt, deine Saison sei voller Fortschritte gewesen. Siehst du das genauso?
Schmid: Ja, es war wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Ich habe gezeigt, dass ich in allen Bereichen Weltklasse sein kann – da möchte ich hin. Ich will das so konstant wie möglich abrufen.
Hast du insgeheim mit einer Ryder-Cup-Nominierung geliebäugelt?
Schmid: Man denkt daran, aber ich wusste, dass ich mindestens ein Turnier hätte gewinnen müssen. Ich habe mich auf meine Ziele fokussiert – auf das, was ich beeinflussen kann.
Was bedeutet dir der Ryder Cup?
Schmid: Ein Traum. Einer der zwölf besten Europäer zu sein, ist etwas Besonderes. Aber dafür brauchst du eine richtig starke Saison. Ich konzentriere mich darauf, Turniere zu gewinnen und bei den Majors gut zu spielen.
Interview: Stefan Jablonka

