Select Page

Die Show, die Nürnberg den Atem raubt

Dec 18, 2025 | AKTUELLES

Auf einen Kaffee mit Flic Flac-Geschäftsführerin Larissa Kastein

NÜRNBERG – Ein Monat, 65 Shows, 80.000 Besucher: Die Nürnberger X-Mas Show von Flic Flac ist ein Highlight im Kalender um die Weihnachtszeit. Verantwortlich dafür ist Larissa Kastein, die Artistik, Action und Erlebnis auf ihre eigene Art interpretiert. Im Gespräch mit Golf & Business spricht sie darüber, wie man eine Show neu erfindet, ohne die Klassiker zu verlieren und wie aus Nervenkitzel ein Gesamterlebnis aus Artistik, Action und Genuss wird.

Frau Kastein, ein Leben ohne Kaffee ist möglich, aber …?
Kastein: … nicht ganz so schön. Für mich gehört Kaffee zum Alltag einfach dazu. Er ist ein Moment des Innehaltens, ein kleiner Genuss. Ich trinke ihn nicht, weil er mich aufputscht, sondern weil ich den Geschmack, die Wärme und das kleine Ritual daran mag.

Wann haben Sie mit dem Kaffeetrinken angefangen?
Kastein: Interessanterweise habe ich damit relativ spät angefangen – so richtig regelmäßig erst mit Ende zwanzig, Anfang dreißig. Und seitdem ist es aber schon ein fester Bestandteil meines Tages, manchmal auch mehr, als mir lieb ist.

Haben Sie ein Ritual?
Kastein: Bei uns zu Hause gibt es einen Vollautomaten. Morgens nach dem Aufstehen drücke ich den Knopf – das ist mein Start in den Tag. Mit Milch, ohne Zucker. Meistens bleibt es bei zwei, höchstens drei Tassen am Tag.

Wenn Ihre Show eine Kaffeesorte wäre, wäre sie eher ein Espresso mit Kick, ein Latte Macchiato für die ganze Familie oder ein Flat White für den Kenner?
Kastein: Eine Mischung aus allem – aber der Espresso mit Kick wäre ganz klar vorne. Flic Flac lebt von Adrenalin, Nervenkitzel und diesem besonderen Moment, in dem das Publikum den Atem anhält. Gleichzeitig gehören auch Elemente der Leichtigkeit und des Genusses dazu. Deshalb passt die Mischung gut – aber der Kick bleibt der wichtigste Bestandteil.

Gibt’s bei Flic Flac auch guten Kaffee?
Kastein: Ja, seit ich die Show in Nürnberg verantworte, lege ich auch darauf Wert. Früher gab es oft nur einfachen Filterkaffee, aber das passt nicht mehr. Heute haben wir im Zelt einen Barista, der verschiedene Sorten anbietet. Natürlich kommen die Menschen zu uns wegen der Show – aber ich finde es schön, wenn man auch bei den kleinen Dingen merkt, dass wir Wert auf Qualität legen.

Sie sind mit dem Circus groß geworden. Was war Ihr erster eigener Moment auf der Bühne, den Sie nie vergessen haben?
Kastein: Ich war fünf Jahre alt, und es war am 5. Oktober, dem Geburtstag von Flic Flac. An diesem Tag gibt es immer eine interne Show für Mitarbeiter, Familie und Freunde. Damals habe ich zum ersten Mal gezeigt, was ich bis dahin gelernt hatte. Ab dem nächsten Tag stand ich dann regelmäßig in der richtigen Show, später mit verschiedenen akrobatischen Nummern. Bis ich schwanger wurde, habe ich in jeder einzelnen Vorstellung mitgewirkt.

Was waren Ihre Elemente?
Kastein: Ich habe als Kind mit akrobatischen Figuren auf den Händen meines Vaters begonnen. Später kamen Bodenakrobatik, Handstand und Äquilibristik (die Kunst des Gleichgewichtshaltens, Anm. d. Red.) hinzu. Dann entwickelte sich auch Pole zu einer anerkannten Bühnendisziplin – nicht nur als Tanz, sondern wirklich als Sportart – und auch das habe ich aufgegriffen und in die Shows integriert.

Ihre achtjährige Tochter hat Ihr Talent geerbt und auch schon Preise gewonnen – wird sie auch bald auf der Bühne zu sehen sein?
Kastein: Nein, sie steht nicht in der Show. Sie macht seit einigen Jahren rhythmische Sportgymnastik und ist sehr fleißig dabei, mit einer tollen kleinen Gruppe und einer erfahrenen Trainerin. Das ist sehr diszipliniert, nicht nur einmal die Woche ein bisschen Bewegung, sondern richtiges Training. Ich finde, jedes Kind sollte sportlich gefördert werden. Ein Auftritt in der Manege ist im Moment aber nicht vorgesehen – die Show ist inzwischen anders aufgebaut, es würde nicht mehr passen. Vielleicht ändert sich das eines Tages, aber aktuell ist das kein Thema.

Vermissen Sie es manchmal, selbst in der Manege zu stehen, oder haben Sie Ihre neue Rolle als künstlerische Leiterin und Unternehmerin voll angenommen?
Kastein: Es war ein Prozess über viele Jahre. Ich bin schon als Kind viel mit meinem Vater gereist, habe Shows in aller Welt gesehen und war immer fasziniert davon, wie er die Künstler auswählt und neue Ideen sammelt. Später haben wir beide die Verantwortung geteilt, und irgendwann haben meine Schwester und ich die künstlerische Leitung übernommen. Das war ein Hineinwachsen. Heute vermisse ich die Bühne nicht mehr – aber das hat lange gedauert. Acht Jahre hat es gebraucht, bis mir aufgefallen ist: Ich vermisse es wirklich nicht mehr.

Wie gelingt Ihnen dieser Spagat – auf der einen Seite das Künstlerische, auf der anderen das Kaufmännische?
Kastein: Der kreative Part ist hundertprozentig meins. Da kann ich mich ausleben. Für den kaufmännischen Teil habe ich bewusst einen Geschäftsführer, weil es wichtig ist, dass jemand mit anderem Blick auf Zahlen und Wirtschaftlichkeit schaut.

Früher sind Sie mit Ihrem Zelt auf Tour gewesen, inzwischen gibt es in Deutschland fünf feste Standorte. Wie kam es zu diesem Schritt?
Kastein: Corona hat den Ausschlag gegeben. Auf Tour zu gehen wurde immer schwieriger – es gab weniger Plätze, mehr Auflagen. Meine Schwester ist in Dortmund, mein Vater in Duisburg und Kassel – wir haben uns da klar getrennt.


Zur Person: Larissa Kastein

Larissa Kastein, geboren 1987, ist Inhaberin und künstlerische Leiterin von Flic Flac Nürnberg. Schon mit fünf Jahren stand sie auf der Bühne, später begeisterte sie mit Handstand- und Akrobatiknummern. Nach Jahren als Artistin wechselte sie Schritt für Schritt ins Management – an der Seite ihres Vaters Benno Kastein, Mitgründer von Flic Flac (1989).

Heute führt sie den Nürnberger Standort gemeinsam mit ihrem Mann und rund 100 Mitarbeitern. Unter ihrer Regie ist die X-Mas-Show zum erfolgreichsten Flic-Flac-Format geworden: 80.000 Besucher in vier Wochen, 65 Vorstellungen, internationale Stars und neue Konzepte wie Drehbühne oder Gourmet-Zelt. Kastein setzt auf Adrenalin, Humor und Erlebnisqualität – und zeigt, wie sich Familienunternehmen erfolgreich erneuern können.


Wie lange läuft die Saison in diesem Jahr?
Kastein: Etwa einen Monat, vom 15. Dezember bis 11. Januar. Länger würden wir gern, aber vor uns ist Messe und die braucht den Parkplatz. Deshalb können wir nicht früher beginnen.

In der letzten Spielzeit haben Sie mit 80.000 Besuchern einen Rekord aufgestellt. Nun erweitern Sie auf 65 Vorstellungen – wie halten Sie und Ihr Team das körperlich durch?
Kastein: Es war extrem. An manchen Tagen hatten wir drei Vorstellungen – vormittags, nachmittags und abends. Für die Artisten, aber auch für Gastronomie und Technik, ist das eine enorme Belastung. Alle liefen am Limit. Aber das Feedback des Publikums gibt unglaublich viel zurück. Dieses Adrenalin trägt dich durch die Wochen. Danach braucht man Urlaub, aber währenddessen spürst du die Kraft, die vom Publikum kommt.

Sie richten sich zum Teil neu aus und wollen eine neue Zielgruppe erschließen …
Kastein: Wir wollen bewusst jüngere Menschen bis etwa 30 stärker ansprechen. Viele sind überrascht, wenn sie bei uns waren: Sie hätten nicht gedacht, dass Flic Flac so sehr zu ihnen passt. Deshalb achte ich auf mehr kleine Übergänge, eine gewisse Geschichte, einen roten Faden – das macht die Show moderner, ohne dass wir die klassischen Elemente aufgeben.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Acts aus?
Kastein: Es ist ein Mix: Bauchgefühl, internationale Trends, persönliche Vorlieben – aber am wichtigsten ist die Publikumsreaktion. Es gibt Acts, die mich persönlich nicht mehr schocken, weil ich sie schon unzählige Male gesehen habe, wie etwa Motorräder in der Kugel. Aber das Publikum liebt sie. Deshalb müssen Klassiker bleiben, sonst fehlt etwas. Gleichzeitig versuchen wir, jedes Jahr andere Nummern einzubauen, damit es frisch bleibt.

Warum Nürnberg?
Kastein: Nürnberg war schon immer ein guter Standort für uns. Auch als wir noch auf Tour waren, hat uns das Publikum hier mit offenen Armen empfangen. Es ist schwer zu erklären, warum es in manchen Städten läuft und in anderen nicht – aber Nürnberg war immer besonders stark. Das treue Stammpublikum gibt uns heute die Sicherheit, weiter zu investieren und die Show auszubauen.

Mit einer drehbaren Bühne setzen Sie ein technisches Ausrufezeichen. Was bedeutet das für die Dramaturgie und den Blick des Publikums?
Kastein: Die Bühne besteht aus drei drehbaren Teilen und wurde von meinem Onkel gebaut, einem echten Baugenie. Damit können wir Nummern völlig neu inszenieren. Beim Messerwerfen zum Beispiel bleibt die Artistin in der Mitte stehen, während sich die Bühne dreht – das gibt dem Publikum einen ganz anderen Blick. Es macht die Show dynamischer und hebt sie von anderen Produktionen ab.

Neu ist auch ein Gourmet-Zelt und eine Glühwein-Hütte – wie kommt’s?
Kastein: Viele Besucher haben gefragt, ob es neben Bratwurst und Pommes auch festliches Essen geben kann – gerade zu Weihnachten. Deshalb haben wir das Gourmet-Zelt eingeführt, mit Buffet und Getränken, vor oder nach der Show. Vor Weihnachten ist es fast ausverkauft, danach wird es ruhiger. Draußen ergänzt die Glühwein-Hütte das Ganze. Ich finde, das passt perfekt in die Vorweihnachtszeit und macht das Erlebnis rund.

Mit „Build Your Own Event“ sprechen Sie gezielt Firmenkunden an. Wird Flic Flac damit auch zu einer Art Event-Plattform jenseits der reinen Show?
Kastein: Ja, genau. Firmen bringen größere Gruppen und nutzen die Gelegenheit, Weihnachten besonders zu feiern. Wir bieten individuelle Pakete an – mit reservierten Bereichen, Hotelübernachtungen, verschiedenen Pauschalen. Das ist wirtschaftlich wichtig und gibt uns Spielraum, weiter in die Show zu investieren.

Wenn Sie nach vorne schauen: Welches Traumprojekt möchten Sie noch verwirklichen – eine besondere Show, eine Kooperation oder etwas ganz Neues?
Kastein: Ich träume von einer sommerlichen Nightshow, vielleicht mit Biergarten und einem eher freakigen Programm, das mehr für Erwachsene gedacht ist. In anderen Städten gab es solche Formate schon. Momentan bin ich mit Familie und Weihnachtsshow ausgelastet – aber wenn wieder Luft ist, könnte das Realität werden.

Und zum Schluss: Wenn Sie mal einen freien Tag haben – trifft man Sie eher im Café, im Zirkuszelt oder wo?
Kastein: Während der Showzeit gibt es keine freien Tage. Danach gehört meine Zeit meiner Tochter und meiner Familie. Wir machen Ausflüge, schöne Dinge – das steht für mich dann an erster Stelle.

Interview: Stefan Jablonka

Privacy Overview

This website uses cookies so that we can provide you with the best user experience possible. Cookie information is stored in your browser and performs functions such as recognising you when you return to our website and helping our team to understand which sections of the website you find most interesting and useful.