Select Page

Matthias Schmid will auf die Profi-Tour

Aug 12, 2021 | Titelthema

„Ich bin heiß, endlich richtig loszulegen”

NÜRNBERG/LOUISVILLE – Das Jahr 2021 soll ein richtungweisendes für Matthias Schmid werden. Mit großer Motivation, Zuversicht und Zielstrebigkeit will der 24-jährige Einzel-Europameister aus der Oberpfalz den Schritt zum Profi vollziehen: „Ich habe mir schon immer alles hart erarbeiten müssen. Genau so werde ich es auch wieder machen.“ Weil Schmid aber „noch nie ein Durchstarter“ war, wie er im Interview mit Golf & Business verrät, geht die größte deutsche Golf-Hoffnung den nächsten Karriereschritt gewohnt demütig an.

Anfangs war das Talent von Matthias Schmid den Mitgliedern des Golf- und Landclub Schmidmühlen im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach vorbehalten. Dort begann der gebürtige Regensburger mit dem Golfspielen. Mit viel Fleiß schaffte er es in den Kreis der besten deutschen Amateur-Golfer und gilt unter ihnen als die größte Hoffnung für Zukunft. Der 23-Jährige geht seit fünf Jahren für das Bundesliga-Team des GC Herzogenaurach an den Start. Nicht zuletzt durch seine beiden Europameister-Titel im Einzel hat es Matthias Schmid ins Rampenlicht auf der kontinentalen Amateur-Bühne geschafft.

In diesem Jahr will er, wie es auch bisher sein geduldiger Weg war, wieder eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben klettern. Läuft alles nach Plan wechselt er nach dem erfolgreichen Abschluss der Finanzwissenschaften am US-College in Louisville in diesem Jahr ins Profi-Lager. Über die so genannte Q-School will er sich ein Ticket für die European Tour oder die US-amerikanische Korn Ferry Tour erspielen.

Zuvor wird er vom 15. bis 18. Juli bei seiner zweiten Teilnahme bei der British Open, für die er sich als amtierender Europameister erneut qualifiziert hat, seinen vierten Ausflug auf die PGA-Tour unternehmen. Dort wird er wieder wichtige Major-Erfahrungen unter den weltbesten Golf-Spielern sammeln. Unmittelbar danach soll der Amateur Matti Schmid Geschichte sein.

Herr Schmid, welche Veränderungen bringt der Wechsel ins Profilager mit sich?

MATTHIAS SCHMID: Noch ist es ja noch nicht soweit. Aber klar, ich will dann Vollzeit-Golfer sein und dadurch wird sich schon einiges ändern. Ich muss auch sehen, wo ich meinen Standort aufbaue, in welcher Stadt ich dann trainieren werde. Und das hängt wiederum davon ab, ob ich in Europa oder in den USA spiele.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe, jetzt den Sprung zu wagen?

SCHMID: Ich fühle ich mich absolut bereit für diesen Schritt. Um ehrlich zu sein, bin ich heiß, endlich richtig loszulegen.

Ihr Vater hat Sie schon als kleiner Junge trainiert und Sie zuletzt auch immer wieder als Caddy bei großen Turnieren begleitet…

SCHMID: Ja, er war dabei, als ich 2019 und 2020 Europameister wurde. Und bei den British Open und der Arnold Palmer Open war er auch dabei.

Macht Sie das besonders stark, wenn der Vater dabei ist?

SCHMID: Es hilft natürlich schon. Mein Papa kennt mein Spiel seit ich mit drei Jahren angefangen habe. Deshalb weiß er schon, worauf es bei mir auch ankommt. Die Entscheidung, welchen Schläger ich beispielsweise nehme, kann letztlich aber nur ich treffen.

Sie werden vor allem nach Ihren beiden Europameister-Titeln 2019 und 2020 als große Hoffnung im deutschen Golf gehandelt. Kommt diese Erwartungshaltung bei Ihnen an?

SCHMID: Eigentlich nicht. Am Ende sollte man sich immer auf sich selbst konzentrieren. Und das machen, wovon man glaubt, dass es einen erfolgreich machen kann. Alles andere muss man ausblenden.

Ulrich Eckardt, Herren-Bundestrainer des Deutschen Golfverbands, bescheinigt Ihnen die Gabe, alles auszublenden und er geht davon aus, dass Sie noch für viel Furore sorgen werden. Druck oder eher Motivation?

SCHMID: Es ist mehr Motivation für mich. Man muss ja auch sehen, dass ich bis vor drei bis vier Jahren nicht auf dem Radar des Bundestrainers war.

20-1495-schmid-EMMH-byStebl-2112-2
20-3762-schmid-coronavalley-byStebl-2112_r-uhl-2
fb001bac-c4e7-4f9e-b160-cdfc787877a6
previous arrow
next arrow

Hätten Sie sich schon früher diese Aufmerksamkeit gewünscht?

SCHMID: Es hat andere mehr gewurmt als mich. Aber da standen dann eben andere Spieler im Vordergrund. Mir macht Golfspielen einfach Spaß. Ich habe weiter gemacht, mich nicht beirren lassen und Dinge verbessert, von denen ich dachte, sie werden mich weiterbringen. Und es ist ja dann auch ganz gut für mich gelaufen.

Wer so spielt, wie Sie, dem kann Golf ja nur Spaß machen. Was bedeutet Ihnen Golf?

SCHMID: Golf ist auf jeden Fall Leidenschaft. Richtig gut gefällt mir, dass kein Tag wie der andere ist. Du musst immer irgendwelche Lösungen parat haben. Und manche kannst du nur über Erfahrung erzeugen. Ein gutes Mindset musst du dir erarbeiten, um es dann parat zu haben, wenn etwas nicht klappt. Golf ist dann wie ein Schachspiel. Ansonsten ist es viel Arbeit, um diese Lösungen zu suchen und zu entdecken.

Wie viel macht der Kopf im Spiel aus?

SCHMID: Einen großen Teil. Uns Spielern steht vom DGV eine Mentaltrainerin zur Verfügung. Mit einem eigenen arbeite ich momentan aber nicht. Ich finde, es ist jedes Mal ein Mentaltraining, wenn man auf den Platz geht. Man muss immer neue Entscheidungen treffen, für die man eine neue Lösung parat haben muss.

Was macht Sie und Ihr Spiel besonders stark?

SCHMID: Ich bin sehr ehrgeizig, das ist mit Sicherheit eines der größten Pros bei mir. Ich will wirklich immer gewinnen, wenn ich spiele. Und ich will immer, dass mein Spiel wirklich gut ist. Auch wenn das natürlich nicht immer gelingen kann, ist es ein Bedürfnis von mir. Meine Stärken auf dem Platz sind im Moment eher das lange Spiel; die Eisen und der Driver.

Ehrgeiz kann schnell mal zu Verbissenheit führen. Wie groß ist die Gefahr da bei Ihnen, oder können Sie auch mit Niederlagen gut umgehen?

SCHMID: Verbissenheit kommt schon noch in mein Spiel. Daran muss ich tatsächlich arbeiten. Ich kann aber mit einer Niederlage ganz gut leben, wenn ich nichts hergeschenkt habe. Wenn ich solides Golf spiele, ein anderer aber alles locht, dann war er einfach besser. Solange ich für mich gut spiele und alles zusammenhalte, kann ich auch mit einem zweiten oder dritten Platz gut leben.

Anfang März durften Sie als Amateur beim Arnold Palmer Invitational zum bereits vierten Mal auf der PGA-Tour an den Start gehen. Nach zwei 76er Runden und acht über war nach dem Cut Schluss. Konnten Sie damit auch gut leben?

SCHMID: Ich habe in jedem Fall viel gelernt. Ich war oft in einer Position, Gutes zu machen, habe dann aber Schlechtes daraus gemacht. Es waren sehr einfache Fehler. Mein Scoring, das muss ich leider sagen, war unter aller Kanone. Das hatte natürlich auch mit mangelnder Erfahrung bei solchen Platzkonditionen zu tun. Es hat mir schon auch gezeigt, wo ich noch dran arbeiten muss.

Sie waren ja der einzige Amateur, der an den Start ging – eine Auszeichnung für sich. Sie haben sich aber sicher mehr vorgenommen…

SCHMID: Ich war noch nie ein Durchstarter. Bei mir hat noch nie gleich von Anfang an etwas geklappt. Als ich angefangen habe, internationale Turnier zu spielen, hat das ewig gedauert, bis ich mal eine gute Platzierung erreicht habe. Auch im College habe ich in meinem ersten Jahr nicht wirklich brilliert. Im DGV habe ich drei, vier Jahr fast gar nicht stattgefunden. Bei mir hat es immer gedauert. Deshalb mache ich mir da auch überhaupt keinen Stress.

Woran liegt es, dass Sie eine gewisse Anlaufzeit brauchen?

SCHMID: Ich habe mir einfach schon immer alles erarbeiten müssen. Genau so werde ich es auch wieder machen.

Sie haben den absoluten Longhitter Bryson DeChambeau im Training einmal ausgedrived. Seitdem sind noch ein paar Muskelberge beim US-Amerikaner hinzugekommen. Wie haben sie den jüngsten Coup des achtmaligen PGA-Sieger, als er über das Wasser mit einem 340 Meter langen Monster-Abschlag abgekürzt hat, erlebt?

SCHMID: Ich hatte das auch bei der Proberunde einmal versucht. Aber es ist schon sehr weit und man sieht tatsächlich erst einmal nur Wasser, das macht es kompliziert. Deshalb ist es schon beeindruckend und es ist Wahnsinn, dass das so funktioniert hat. Da wird auch er nervös gewesen sein. Alle haben ja darauf gewartet und ganz genau hingeschaut.

Zu ihren großen Vorbildern neben Rory McIlroy zählt Tiger Woods. Es gibt ein Foto von ihnen beiden in der Umkleidekabine, entstanden bei Ihrer ersten Teilnahme bei „The Open“ 2019. Was ist ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie von seinem Autounfall gehört haben?

SCHMID: Ich habe erst einmal gehofft, dass nichts Schlimmes passiert ist. Ein Autounfall kann ja so und so enden. Ich hoffe, dass er wieder auf die Tour zurückkehrt.

Sie haben die Strukturen im Amateur-Golf nun in Deutschland und in den USA erlebt. Was sind die großen Unterschiede?

SCHMID: In Deutschland oder auch Bayern wird zwangsläufig weniger Turniergolf gespielt. Man trainiert viel im Team zusammen und macht viele Technik-Einheiten. In Amerika habe ich in einer halben Saison hingegen schon 13 Turniere gespielt. Der Trainer sieht dich andauernd auf dem Platz spielen. So können sie dir auch ein anders Feedback geben. Ich glaube, dass ist der große Unterschied.

In Bayern liegt also Ihre Basis, aber in den USA die Zukunft?

SCHMID: Als Basis den deutschen Werdegang mitzumachen, ist sicher nicht schlecht, weil du sehr viel mitbekommst. Der Wechsel nach Amerika hat mir aber wirklich gutgetan, weil man sich hier mehr auf das Spiel konzentriert und Schläge, die man machen muss oder Entscheidungen, die man treffen muss.

Was müsste passieren, dass mehr Deutsche den Sprung auf die Profi-Tour schaffen?

SCHMID: Man unterschätzt zunächst einmal, wie schwer es tatsächlich ist, auf die PGA-Tour zu kommen. Ein Problem ist, dass viele lieber Fußball spielen. Und dann gibt es noch zwei, drei andere Sportarten, die interessanter sind. In Amerika ist das anders. Da hat Golf einen ganz anderen Stellenwert und es gibt deshalb eine ganz andere Talentdichte.

Dennoch fallen in Deutschland irgendwann doch die meisten durchs Raster und geben auf. Woran liegt das?

SCHMID: Man hat beim Golf keine hohe Siegquote. Man muss wirklich zäh sein und einen starken Willen haben, um es am Ende zu schaffen. Man erlebt viel Höhen und Tiefen, wahrscheinlich mehr Tiefen und damit muss man umgehen können.

Sie waren auch an der Bertolt- Brecht-Schule in Nürnberg, einer so genannten Eliteschule des Sports und Igor Arendt als Stützpunkttrainer des BGV war Ihr Talentschmied. Welchen Anteil hat er an Ihrem Erfolg?

SCHMID: Igor hat mir viel Golf- Verständnis beigebracht. Er ist ja auch ein Golf-Nerd, sage ich mal, der sich mit unglaublich vielen Sachen beschäftigt. Ich finde es immer interessant, mich mit Leuten, die sich wahnsinnig stark mit Golf befassen, zu beschäftigen.

Was muss passieren, dass 2021 ein gutes Jahr für den Professional Matti Schmid war?

SCHMID: Eine gute Frage. Es gibt ja insgesamt noch sehr viele Fragezeichen. Am Ende war es ein erfolgreiches Jahr, wenn es auf der European Tour oder der Korn Ferry Tour endet. Gleich auf die PGA-Tour zu kommen, dürfte wahrscheinlich schwierig werden. Aber wir werden sehen.

Interview: Stefan Jablonka